Willkommen!

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste!
Im Sonntagsevangelium hören wir, dass Jesus Kranke heilt und Dämonen austreibt. Diese Taten Jesu sagen uns, wer er ist und was er will. Ein ganz wichtiger Satz in diesem Evangelium ist für mich aber auch folgender:
„In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.“
Immer wieder wird in den Evangelien berichtet, so auch hier, dass Jesus sich in die Stille zurückzieht, zum Gebet, in die tiefe Gemeinschaft mit dem Vater.
Ist es nicht das, was uns in der heutigen Zeit besonders fehlt: Momente und Zeiten der Stille, der Neuausrichtung auf den Vater hin, Zeiten des Gebets und des Hinhörens auf Gott? Hören, nichts scheint leichter als das. Ist doch in der Tat jedem (gesunden) Menschen das Ohr gegeben, das des Leibes und das des Herzens. Und wir hören ja auch. Mehr als uns bewusst und lieb ist. Nur, was hören wir, und wem hören wir zu?
Hören, das ist doch der „Grundakt“ (Thomas v. Aquin) des Menschen Gott gegenüber, Grundakt geistlichen Lebens und der bewussten Teilnahme beim Gottesdienst – Hören, nicht das Reden. Ich muß mich mühen, in meinem Tagesablauf und Alltag diese Zeiten einzurichten, meistens gelingt es, aber nicht immer; sehr oft fehlen mir Momente des Innehaltens und der Stille bei der Messfeier. Dies ist eine allgemeine Feststellung und nicht ortsspezifisch - zu viele Worte, zu wenig Zeiten und Augenblicke der Stille, des Innehaltens und Nachklingen-Lassens, z.B. nach dem Lesen der Schrifttexte, nach der Predigt, nach dem Kommunionempfang, wenigstens eine Minute.
Das Zwiegespräch zwischen Gott und den Menschen erfordert solche Zeiten der Stille. Grundsätzlich gilt doch, dass der Herr uns etwas zu sagen hat, dass er uns mehr zu sagen hat als wir ihm. Dass er uns Tieferes und Größeres zu sagen hat als wir in Worte fassen könnten. Ich wünsche uns mehr Zeiten und Räume der Stille, damit Gott in unseren Seelen ankommen kann. Es grüßt Sie herzlich, Ihr
Diakon Reimund Scheurer
